Der aus Pommern stammende Karl Hüller gründete im Jahre 1923 die “Vorrichtungsbau Hüller AG“ in Ludwigsburg. Zuvor hatte er sich in Theorie und Praxis über Jahre hinweg bestens auf diesen Schritt zur Selbstständigkeit vorbereitet. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich das junge, aufstrebende Unternehmen sehr rasant. Neben den Vorrichtungen wurden schon bald auch diverse Bohreinheiten gebaut.

Der Zweite Weltkrieg brachte auch für das Unternehmen gravierende Einschnitte mit sich. Die neue Fabrik an der Grönerstraße in Ludwigsburg wurde bei Luftangriffen getroffen und teilweise zerstört. Nach Kriegsende fielen zahlreiche Maschinen und Einrichtungen der Demontage durch die Siegermächte zum Opfer. Zudem war die Zahl der Beschäftigten Anfang 1947 von ehemals 750 auf 280 gesunken.

Mit der Entwicklung von standardisierten Baueinheiten für Sondermaschinen (Baukasten-Prinzip) wurde das Unternehmen neu ausgerichtet und 1950 die „Karl Hüller GmbH“ gegründet. Von nun an ging es wieder stetig nach oben. Bei der aufstrebenden Fahrzeugindustrie fanden Hüller-Maschinen und vor allem die Transferstraßen einen reißenden Absatz. Das Geschäft boomte und die Fabrikationsanlagen der Karl Hüller GmbH wurden kontinuierlich erweitert und ausgebaut. Bald waren über 1.000 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt.

Im Jahre 1965 starb Karl Hüller nach einem erfüllten Leben im Alter von 82 Jahren. Bis zuletzt hatte er das Ruder seiner Firma fest in den Händen gehalten und den Kurs bestimmt. Im Werk Ludwigsburg waren zu diesem Zeitpunkt über 2.000 Mitarbeiter beschäftigt und es bestanden weitere Werksstandorte in Rottenburg und Hochmössingen. Hüller Maschinen hatten in Europa und in anderen Teilen der Welt ein hervorragendes Renommee.
Aus wirtschaftlichen Zwängen wurde die Karl Hüller GmbH 10 Jahre nach dem Tod von Karl Hüller am 01.10.1975 an die Thyssen AG verkauft. Die Familie Hüller verlor damit jeglichen Einfluss auf das Unternehmen. Die Karl Hüller GmbH wurde durch Thyssen umfirmiert in Hüller Hille GmbH.

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Karl Hüller GmbH erzählt, dass das Chefbüro von Karl Hüller im Gebäude der Alten Kantine situiert war, bescheiden und einfach eingerichtet. Auch viele Jahre nach dem Tode von Dr.-Ing. e.h. Karl Hüller habe sein Name nichts an Kraft und Ausstrahlung verloren. Seine Leistungen im Werkzeugmaschinenbau zeigten bis in unsere Tage Wirkung. Auch schildert er, dass seit dem Tod von Karl Hüller eine Fotografie von ihm im Speisesaal im Werk Ludwigsburg hängt. Aus erhobener Position blicken die aufmerksamen Augen seit Jahrzehnten mit leichter Melancholie in den Saal. So habe er auch an vielen Belegschafts- und Betriebsversammlungen teilgenommen und es waren sehr schmerzliche darunter. Vielleicht hätte Karl Hüller manchmal sehr gerne seine Meinung in den Saal gerufen, zum Beispiel diese: „Wer mehr ausgibt als er einnimmt, ist ein Lump!“.

Mittlerweile sitzt die Hüller Hille GmbH seit den 90er Jahren nichtmehr in Ludwigsburg. Doch der Mythos ist immer noch auf dem Areal Werkzentrum Weststadt verblieben. So steht das historische Backsteingebäude der alten Hüller-Hille Kantine aus den 40er Jahren noch immer im Zentrum des Areals.

Und die Tradition wird sich fortsetzen: die Alte Kantine wird zum Atelier für digitale Innovationskraft der Porsche Digital. Fertigstellung ist für Anfang 2018 geplant.

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